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"VOZAMA" - auf einen Blick

Die Kinder retten

Von Klaus Heimer, Antananarivo

"VOZAMA" ist die Abkürzung von "VOnjeo ny ZAza
MAlagasy" und heisst soviel wie "Retten wir die
madagassischen Kinder". 1995 begann der heute
91-jährige Jesuitenpater André Boltz aus dem
elsässischen Mühlhausen, in Dörfern des südlichen
Zentralmadagaskar rund um das Holzschnitzerzentrum
Ambositra ein Alphabetisierungsprogramm für Kinder aus
armen Verhältnissen, die nicht eingeschult wurden. Die
Eltern werden von Beginn an in hohem Masse in die
Gestaltung und Durchführung aktiv eingebunden. So gibt
es für jede Schule ein kleines Komitee, das die
pädagogische Arbeit überwacht oder die Schulräume
gestaltet und auch dazu beiträgt, das Dorf in kleinen
Schritten weiter zu entwickeln, gemäss dem Wortspiel
von Pater Claude Fritz "Dorf macht Schule - Schule
macht Dorf".

Eine Milliarde Franc Malagasy

Rund eine Milliarde Franc Malagasy müssen die Väter
von "Vozama" jährlich für die Abwicklung der
Aktivitäten aufbringen - eine für madagassische
Verhältnisse gewaltige Summe, die rund 150000 Euro
entspricht. Ein Drittel des Betrages wird von Misereor
finanziert, ein Zehntel von der Schweizer Gemeinde
Münsingen. Den Rest muss Pater Claude Fritz, der "gute
Geist" von Vozama, in jedem Jahr aufs Neue
buchstäblich "suchen", wobei jeweils etliche
Förderanträge auf den Weg gebracht werden. Keine
leichte Aufgabe! In Frankreich besteht der
Förderverein France-Vozama mit konkreten
Ansprechpartnern im Elsass, in Toulouse, Paris und in
der Normandie. Für die dringend notwendige Anschaffung
eines weiteren Fahrzeuges und von Motorrädern
(Geländemaschinen) für die Schulinspektoren werden in
den kommenden beiden Jahren zusätzlich 250 Millionen
Franc Malagasy (etwa 40000 Euro) benötigt.

554 Schulstandorte

304 Schulstandorte in der Region Ambositra und 250
weitere rund um die 150 Kilometer weiter südlich
gelegene Provinzhauptstadt Fianarantsoa mit insgesamt
7150 Schülerinnen und Schülern der ersten
Unterrichtsstufe wurden im Laufe der vergangenen Jahre
ins Leben gerufen. "Vozama" arbeitet zudem mit 150
Volks- und 60 Privatschulen zusammen. Gut 700
Mitarbeiter, davon 25 in der Verwaltung und 35
Inspektoren, übernehmen den Unterricht und alles, was
organisatorisch für die Abwicklung des flächenmässig
weit verstreuten Projektes erforderlich ist. Dazu
gehört auch die regelmässige pädagogische
Weiterbildung der Lehrkräfte. Vier Geländewagen stehen
zur Verfügung. Die Inspektoren, die mindestens einmal
im Monat alle Schulposten aufsuchen, sind oft
stundenlang zu Fuss zu den entlegenen Stationen
unterwegs. Sie sollen jetzt die Möglichkeit erhalten,
über "Vozama" günstig Fahrräder zu erwerben, um Zeit
zu sparen. Vier Mal pro Woche wird jeweils drei
Stunden in ehemaligen Reiskellern, Ställen etc.
unterrichtet. Die Aufwandsentschädigung für die
Lehrer, meist Sekundarschulabgänger, die wegen der
anhaltenden miserablen Arbeitsmarktsituation keinen
Job haben, beträgt 50000 Franc Malagasy (rund sieben
Euro) im Monat.

Haus gestiftet

Das schmucke Verwaltungsgebäude von "Vozama" in
Fianarantsoa an der Strasse, entlang der sich 16
Kongregationen angesiedelt haben, wurde von dem
französischen Förderer Etienne Couture aus der
Normandie vor zwei Jahren gestiftet. Hier ist das Herz
der segensreich wirkenden Organisation, die inzwischen
- ein enormer Fortschritt für die Verwaltungsarbeit -
über acht Computer verfügt. Der grossherzige Sponsor
habe sich, so Pater Claude Fritz, für eine noch
ausstehende Einweihungsfeier ein riesiges
Hinweisschild gewünscht - "ganz aus Schokolade, für
die Kinder..." Couture habe erkannt, dass viel Glaube,
Liebe und ein grosses Herz alleine nicht ausreichen,
um Gutes zu tun, wird dankbar das Engagement des
Spenders gewürdigt.

STECKBRIEF
PATER CLAUDE FRITZ

"Wenn einmal nichts mehr vorwärts geht, dann setze ich
mich in den von Vozama gepflanzten Wald - der wächst
ganz von alleine." Der 63-jährige Pater Claude Fritz
ist täglich für die madagassischen Kinder unterwegs.
Höhen und Tiefen kennzeichnen die Arbeit in einer
wirtschaftlich nach wie vor schlechten Zeit. Der
unermüdliche Freund der Mädchen und Jungen aus
ärmlichen Verhältnissen stammt aus dem Ort
Bernardswiller im Elsass und ist bereits seit 1965 auf
der vor der Südostküste Afrikas gelegenen
viertgrössten Insel der Welt. 1968 legte er in der
Stadt Mananjary an der Ostküste, wo er zehn Jahre
Schulleiter war, das letzte Gelübde ab. Seitdem ist
der Pädagoge mit dem Spezialgebiet Englische Sprache
in Fianarantsoa tätig. Er gehört zum Orden der Brüder
der christlichen Lehre, deren Zentrum in Matzenheim
ist. 25 Europäer und inzwischen bereits 23 Madagassen
bilden die katholische Gemeinschaft, wobei derzeit
lediglich noch zwei weitere Elsässer (beide über 80
Jahre alt) in Madagaskar sind.
"Zu Hause sterben wir langsam aus, wie die letzten
Mohikaner, hier leben wir jedoch erfreulicherweise
wieder auf," zieht Pater Claude Fritz Bilanz des
jahrzehntelangen Wirkens gut 7000 Kilometer von zu
Hause entfernt in der Heimat von Pfeffer und Vanille.
"Ich habe hier eine schöne und sinnvolle Aufgabe
gefunden. Spätestens in fünf Jahren soll die Arbeit
von Vozama in einheimische Hände übergeben werden."
Langeweile ist für den Pater ein Fremdwort: Sein
grosses Hobby ist die Landwirtschaft. Jeder Besucher
wird angehalten, einen Baum zu pflanzen. Den beiden
wuseligen Hunden Snoopy und Idefix, Coton de
Tulear-Mischlingen, der noch jungen Hasenzucht und
seinen Bienen will der Pater bald verstärkt Zeit
widmen. Claude Fritz hat noch sechs Geschwister, die
95-jährige Mutter im Elsass wird regelmässig
besucht. Verbunden werden diese Reisen nach Frankreich
dann stets mit "Klinkenputzen", also der Suche nach
weiteren Förderern von "Vozama". Die Mailadresse des
Paters: fr.claude.fritz@malagasy.com



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