Bereits sechs Mal besuchte der Lübecker Juwelier und
Goldschmied Dieter Zellweger seit 1997 die ferne
Tropeninsel Madagaskar. Im Rahmen einer Studienreise
kam er erstmals auf die viertgrösste Insel der Welt,
die gleichsam Afrika und Asien en miniature ist und
ihn in ihren Bann gezogen hat. Zellweger: "Bei den
Abstechern ins Landesinnere fielen mir sofort die
durch Erosion gezeichneten riesigen Flächen ins Auge.
80 Prozent der Regenwälder der Insel sind bereits
verschwunden. Der natürliche Reichtum wird weiter zu
Holzkohle und Brennholz verarbeitet und geht
buchstäblich in Rauch auf."
Sofort nach der Rückkehr von der ersten Tour
informierte sich Dieter Zellweger, seit über 35 Jahren
Mitglied des Rotary-Clubs Lübeck-Burgtor, über
Solarkocher und -öfen und kam dabei schnell mit dem
deutsch-madagassischen Verein Esslingen und dessen
Vorsitzenden Günter Hekler in Kontakt. Dieser Verein
finanziert in der madagassischen Hauptstadt
Antananarivo seit etlichen Jahren ein
Ausbildungszentrum für Jugendliche aus ärmsten
Verhältnissen. Der Fachbereich Metall hat sich auf die
Herstellung von Solarkochern spezialisiert.
Zellweger: "Für mich war schnell klar, dass das Kochen
mit der Kraft der Sonne eine wirkungsvolle Möglichkeit
sein könnte, die letzten Wälder vor
dem Abholzen zu schützen." Sonne sei auf dem Eiland im
Indischen Ozean nahezu im Überfluss vorhanden, doch
das Kochen mit der Sonne müsse der auf Holz und Kohle
fixierten Bevölkerung erst einmal "schmackhaft"
gemacht werden. Das deutsch-madagassische
Ausbildungszentrum "Soltec" übernimmt dies mit
etlichen Rotary-Clubs vor Ort bei Demonstrationen und
Dieter Zellweger rührt für das Projekt "Kochen mit der
Sonne" auch im Hinblick auf die möglichen
CO2-Einsparungen inzwischen weltweit eifrig die
Werbetrommel. Um die Thematik möglichen Spendern und
den Menschen in Madagaskar eindrucksvoll vor Augen zu
führen, hat er sogar auf eigene Rechnung einen
30-minütigen Film bei einer madagassischen Agentur in
Auftrag gegeben, der Einblick in die noch vorhandene
einzigartige Fauna und Flora gibt, die drohende
Zerstörung der Natur durch Brandrodung und Abholzung
aufzeigt und den Nutzen des verstärkten Einsatzes von
Solarkochern veranschaulicht.
Dieser Film mit deutschem Kommentar, von dem es auch
Versionen in den beiden Landessprachen Französisch und
Malagasy gibt, soll nun möglichst vielen Menschen
gezeigt werden. Im Fernsehen, in Rotary-Clubs,
Volkshochschulen, Kirchengemeinden oder auch als
Vorfilm in Kinos. Natürlich auch in Schulen im Rahmen
des Unterrichtes über Umweltschutzthemen. Gemeinsam
mit Rotary-International soll weiterhin Geld für den
Bau von Solarkochern aufgebracht werden. Zellweger
will mit der Dokumentation die madagassische Regierung
davon überzeugen, dass diese Geräte zwar Brennholz und
Holzkohle nicht ganz ersetzen, deren Verbrauch jedoch
entscheidend verringern können. Der engagierte
Lübecker hofft, dass der Einsatz von Solarkochern in
Madagaskar schon bald zum nationalen Programm erklärt
wird. "Die Insel könnte für weitere Länder ein
Beispiel geben, in denen die Bewohner beim Kochen
ebenfalls auf Holz und Holzkohle angewiesen sind. Das
sind weltweit etwa 1,7 Milliarden Menschen."
Bereits 1998 hat Dieter Zellweger die ersten 20 Kocher
bei "Soltec" in Auftrag geben können, die mit Hilfe
des befreundeten Rotary-Clubs in der
Edelsteinmetropole Antsirabe an Schulen, Kinderheime
und Krankenhäuser verteilt wurden. Madagassen, die
einen Solarkocher erwerben möchten, wird die
Möglichkeit der Ratenzahlung eingeräumt. Etliche haben
bereits erkannt, dass sich die Anschaffung schon nach
kurzer Zeit rechnet, da das Geld für die recht teure
Holzkohle eingespart wird.
Techniker des Ausbildungszentrums "Soltec" übernehmen
die Einweisung der Kunden. Beim Einsatz der
umweltfreundlichen Kocher ist darauf zu achten, dass
der wandernde Sonnenstand im Auge behalten wird und
die Geräte regelmässig gereinigt werden. In
Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitseinrichtung ASA
des Ordens der Franziskaner, die Menschen aus den
Slumgebieten der Hauptstadt auf dem Land neu
ansiedelt, sollen, sobald aus Amerika die Zusage für
einen höheren Rotary-Zuschuss kommt, zunächst 350
Solarkocher und 350 Solaröfen für die neuen Dörfer in
Auftrag gegeben werden. Damit hätte Rotary für "Kochen
mit der Sonne" in Madagaskar bereits etwa 45000 Euro
gespendet. "Ein guter Anfang", meint Zellweger.
Der Film zeigt am Beispiel der beiden Dörfer
Antanetikely und Ampasipotsy im trockenen Westen der
Insel, wie die Solarkocher dort nach einer
Eingewöhnungsphase täglich genutzt werden. Die Kinder
und Jugendlichen erweisen sich mit ihren Lehrern als
gute Multiplikatoren. Der Einsatz von Solar-Kochern in
Schulen hat inzwischen bei "Soltec" zu verstärkter
Nachfrage geführt. Zellweger: "Wertvoller Nebeneffekt:
Die Jugend der Insel beschäftigt sich mit Fragen des
Umweltschutzes und gibt sie an die Eltern weiter. Sie
wird hoffentlich die Fehler der Vergangenheit nicht
wiederholen." Zellweger rechnet für den Aufbau einer
Infrastruktur für die Produktion höherer Stückzahlen
von Kochern mit einem Investitionsvolumen von etwa
zwei Millionen Euro. In weiteren "Soltec"-Werkstätten
könnten dann auch ehemalige Holz- und Kohlehändler
arbeiten.
Sobald die 350 Kocher und Öfen übergeben werden, will
Dieter Zellweger mit weiteren Mitgliedern "seines"
Lübecker Clubs erneut nach Madagaskar fliegen und dann
auch einen Gesprächstermin beim Staatspräsidenten Marc
Ravalomanana, dessen Sohn Joshua übrigens in
Heidelberg studiert hat, vereinbaren. In der
Hauptstadt Antananarivo steht mit dem Rotary-Club
Tsimbazaza ein weiterer wertvoller Partner zur
Verfügung. Dieter Zellweger abschliessend: "Wir haben
uns mit der Aktion "Kochen mit der Sonne" auf
Madagaskar spezialisiert. Dieses Welt-Naturerbe
scheint mir besonders kostbar und schützenswert zu
ein. Die Insel ist zudem überschaubar und wir können
hier etwas erreichen...
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