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Einzigartigen Regenwald in Madagaskar gerettet



Dem Stuttgarter Helmut Zimmermann ist dies gelungen /
Goldfröschchen, Büschelohrmakis und Drachenbäume




Von Klaus Heimer, Antananarivo

"Tonga eto ny mpampianatrany - Der Professor ist
wieder da." Überaus herzlich fällt stets die
Begrüssung aus, wenn der Präsident der Stiftung
"Natur- und Artenschutz in den Tropen" (NAT), Helmut
Zimmermann aus Stuttgart, im Regenwaldgebiet von
Andasibe eintrifft. 142 Kilometer östlich der
madagassischen Hauptstadt Antananarivo, an der
Nationalstrasse 2 gelegen, beherbergt dieses kleine
Gebiet von etwa 26000 Hektar wohl die grösste
Artenvielfalt der Fauna und Flora von Madagaskar.

Jeder, der im Umkreis von Andasibe in irgendeiner Form
mit Pflanzen und Tieren oder auch mit Ökotourismus zu
tun hat, kennt den Mann mit dem kurzen, weissen Bart
aus dem fernen Deutschland wegen seiner humanitären
Hilfsaktionen nach Überschwemmungen, aber insbesondere
wegen seiner gut zehnjährigen Forschungstätigkeit in
den Regenwäldern und dem Moorgebiet von Andasibe. Er
wird hier liebevoll von jung und älter "Professor"
genannt. Ihm ist es in gut zwei Jahren intensivsten
Einsatzes gelungen, das wertvollste Stück Natur in der
Region vor der unmittelbaren Zerstörung zu retten und
vorläufig wirkungsvoll zu schützen.

Seit Jahrzehnten werden hier die Regenwälder für den
Graphitabbau und zur Holzgewinnung gerodet oder durch
den so genannten Wanderfeldbau abgebrannt. Trotzdem
gelangen immer wieder Erhaltungsmassnahmen, so zum
Beispiel 1908 durch die Franzosen, die eine kleine,
810 Hektar umfassende Waldfläche als "Forstreservat"
unter Schutz stellten. Da hier noch viele Vertreter
der grössten Lemurenart der Insel, Indri genannt,
leben, wurde das Gebiet 1970 von den Madagassen
endgültig zum speziellen "Indri-Reservat" umgewandelt.
Zwei Kilometer weiter haben 1989 die örtlichen
Behörden dann ein 10.000 Hektar grosses Schutzgebiet,
den Nationalpak Mantadia, ausgewiesen.

Ein sich daran anschliessendes
Moorseen-Regenwaldgebiet sollte eigentlich als
Ausgleich für das Schutzgebiet Mantadia den Bewohnern
Andasibes zum Reisanbau zur Verfügung gestellt werden.
Aufgrund einer von Helmut Zimmermann in den
vergangenen Jahren durchgeführten Untersuchung konnte
hier nicht nur der einzige Lebensraum des berühmten
Goldfröschchens, sondern auch eine enorm hohe
Vielfalt endemischer Pflanzen- und Tierarten
festgestellt werden. Deshalb beantragte die Stiftung
NAT auch dieses Gebiet in seiner jetzigen Form zu
erhalten. Doch erst eine Schadensanalyse der Stiftung
nach der grossen Überschwemmung der Region durch den
Zyklon Geralda 1994 bewog die Bewohner von Andasibe,
statt der vorgesehenen Drainage des Moors dieses als
natürliches Regenrückhaltebecken zu belassen.
Ausserdem nahm die Generaldirektion für Gewässer und
Wälder den Vorschlag von NAT zum Anlass, zu
beantragen, diese 8300 Hektar grosse Fläche als
drittes Feuchtgebiet Madagaskars durch die
internationale Ramsar-Kommisson auf die Liste der
weltweit wichtigsten Feuchtgebiete zu setzen. Da nach
Zimmermanns weiteren Untersuchungen und Planungen
feststand, das das nur 1600 Hektar grosse, teilweise
bereits zerstörte Maromiza-Waldgebiet im Anschluss an
das bestehende Indri-Reservat eine Schlüsselfunktion
im Verbundsystem der nördlichen und südlichen
Regenwälder Madagaskars einnimmt, erhielt die Stiftung
NAT als allererste deutsche Naturschutzorganisation
überhaupt im Februar 2001 von der Regierung
vertraglich diesen so genannten "Drachenbaum-Regenwald
Maromiza" (maromiza bedeutet auf Malagasy "viel
sehen") für zunächst fünf Jahre zur Obhut und Pflege
übertragen.

"Grosse Aufwendungen sind nun erforderlich", so
Zimmermann, "die damit zusammenhängenden Aufgaben zu
erfüllen - wie nachhaltige Entwicklung der Land- und
Forstwirtschaft für die betroffene Bevölkerung,
Wiederaufforstungsmassnahmen und einen wirksamen
Ökotourismus. Dank der Anschubfinanzierung der
deutschen Organisation "BIOPAT - Patenschaften für
biologische Vielfalt" konnte die Stiftung NAT mit der
Arbeit beginnen und ist durch dieses Schutzgebiet
ihrem Ziel eines Regenwald-Biotopverbundsystems
Andasibe in Madagaskar zur Erhaltung der biologischen
Vielfalt, entsprechend der Konventionen von Rio und
Kyoto, einen wichtigen Schritt nähergekommen.

Helmut Zimmermann, früher als selbstständiger
Architekt in Stuttgart tätig, beschäftigt sich schon
über 30 Jahre mit Amphibien und Reptilien sowie dem
Schutz ihrer Lebensräume. Sein Spezialgebiet sind auch
heute noch der Wissenserwerb über bestimmte
Froscharten Mittel- und Südamerikas - den
Pfeilgiftfröschen. Nach vielen Reisen in ihre
Lebensräume besuchte er vor rund 13 Jahren erstmals
Madagaskar und hat sich zuerst auch hier der
Erforschung der Frösche auf der viertgrössten Insel
der Welt gewidmet, dem Goldfröschchen und seiner
Verwandten, die ebenfalls über diese Hautgifte
verfügen. Seit seine Tochter, Professorin Dr. Elke
Zimmermann von der Tierärztlichen Hochschule Hannover
und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für
Primatologie, beruflich die Lemuren (Halbaffen) als
Teil ihres Forschungsgebietes bearbeitet, bleibt eine
Kooperation im Bereich Andasibe nicht ohne Erfolg. Bei
einer nächtlichen Regenwaldexpedition entdeckten sie
und ein einheimischer Doktorand im Schein einer
Kopflampe eine als ausgestorben betrachtete Lemurenart
- den winzigen Büschelohrmaki, Allocebus trichotis.
Dieser seltenste Lemur Madagaskars wurde nunmehr zur
Flaggschiffart für die gesamte bedrohte, noch
artenreiche Fauna in dem Gebiet Maromiza-Andasibe.

Im vergangenen Jahr hat Helmut Zimmermann mit
einheimischen Biologen und künftigen Touristenführern
aus Andasibe beim Schutzgebiet Maromiza an der
Nationalstrasse 2 zwei werbewirksame
Informationstafeln angebracht, die in Anwesenheit des
deutschen Botschafters Dr. Heinz-Peter Behr
(Troisdorf) enthüllt wurden. Die madagassische Presse
berichtete ausführlich über das Ereignis und über das
einzige deutsche Schutzgebiet in Madagaskar im Rahmen
der bilateralen Kooperation zur Erhaltung der
natürlichen Ressurcen.

Zimmermann nutzte jenen Aufenthalt in Andasibe auch,
um bei ausgedehnten Exkursionen die Stellen für die
Grenzmarkierungen des Schutzgebietes festzulegen.
Dabei ging es in dem unwirtlichen Gelände bergauf und
bergab, über glitschige Wurzeln, durch Bäche und
Tümpel und dichtes Gebüsch, über verschlungene Pfade
mit tückischen, stacheligen Bambuslianen. Bis zu 40
Meter hohe, seltsame "Drachenbäume", die dem Wald
seinen Namen geben, sowie Palmen, Blatt- und Baumfarne
bestimmen den Grossteil der Vegetation. Die beiden
madagassischen Führer Nestor und Pafo staunten nicht
schlecht, wie bravourös der deutsche Unruheständler
die schwierige Dschungeltour meisterte.

"Wir müssen dieses Gebiet möglichst schnell schützen,
sonst existiert in einigen Jahren wegen der
Brandrodung nichts mehr", weiss der Stuttgarter
Fachmann aus Erfahrung. Für die armen Wanderfeldbauern
der Region, die immer wieder Waldflächen abbrennen, um
sie dann für zwei bis drei Jahre zu bewirtschaften,
sollen andere Existenzmöglichkeiten geschaffen werden.
So lassen sich etliche junge Leute bereits als
Naturführer ausbilden. Im Auftrag der Stiftung NAT hat
Rabarison Rasolonirina als Chef der Vereinigung der
Fremdenführer Andasibes bereits 24 Madagassen,
darunter auch fünf Frauen, um sich geschart, die
regelmässig Unterricht in Französisch und Englisch
erhalten, aber insbesondere in Theorie mit
Unterrichtsmaterial der Stiftung NAT und Praxis vor
Ort mit der Fauna und Flora und einem behutsamen
Umgang mit ihnen vertraut gemacht werden. Bis zur
Errichtung einer eigenen Station dient die herrlich
gelegene Urwald-Bungalowanlage Feon'ny Ala (bedeutet
"Stimme des Waldes") als Anlaufstelle für Besucher,
deren Besitzer Dominique Sum Chuk Lan seit langem den
Erhalt und den Schutz der Natur tatkräftig fördert.

Helmut Zimmermann, dessen Stiftung weitere
Naturschutzprojekte in Costa Rica und auf den
Philippinen unterstützt, überprüft regelmässig die
Fortschritte im Maromiza-Wald und veranlasst
weitergehende Massnahmen für den Erhalt der
biologischen Vielfalt des Gebietes. Zimmermann ist
Präsidiumsmitglied der Deutsch-Madagassischen
Gesellschaft und gehört drei IUCN-Kommissionen sowie
mehreren wissenschaftlichen Gesellschaften und
Naturschutzorganisationen an. Seit 1965 führte er im
Mittelmeerraum und in den Tropen (Südamerika und
Afrika) herpetologische und naturschutzrelevante
Studien durch. In mehr als 140 Publikationen hat er
über seine Forschungen berichtet, die seit 1990 fast
ausschliesslich auf Madagaskar konzentriert wurden.

Die von ihm gegründete Stiftung "Natur- und
Artenschutz in den Tropen" (NAT) ist als gemeinnützig
und besonders förderungswürdig anerkannt und erteilt
bei Spenden über 50 Euro steuerbegünstigte
Bescheinigungen. Spendenkonto 255770022 bei der
Volksbank Ludwigsburg, BLZ 604 901 50. Anschrift:
Abraham-Wolf-Strasse 39, D-70597 Stuttgart. Email:
info@nat-fund.de. Internet: www.nat-fund.de



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