Eine auf den ersten Blick gewöhnliche Schleichkatze
verbindet in ganz besonderem Masse seit einigen Jahren
den Duisburger Zoo mit dem Botanisch-Zoologischen
Garten Tsimbazaza in der madagassischen Hauptstadt
Antananarivo. Die Fossa (Cryptoprocta ferox) ist das
grösste Raubtier auf der vor der Südostküste Afrikas
gelegenen viertgrössten Insel der Welt. Sie ernährt
sich von Vögel und Kleinsäugern und ist dank ihrer
enormen akrobatischen Bewegungsweise sogar in der
Lage, grössere Lemuren zu erbeuten.
Der 1934 gegründete Duisburger Zoo erhielt 1975 und
1978 seine ersten Fossas. Das Paar züchtete seit 1980
mit grossem Erfolg, was internationale Beachtung fand,
da dies bisher als seltenes Ereignis galt.
Madagaskars Premierminister Jacques Sylla und weitere
hohe Regierungsvertreter würdigten bei der Ausstellung
"Willkommen in Deutschland" im Goethezentrum in
Antananarivo die Leistungen des Duisburger Zoos für
die Erhaltung der Fossa, die wegen ihrer Seltenheit
als "lebendes Fossil" gilt. Der Berliner Tierpfleger
Mario Perschke, der seit zwei Jahren für den
norddeutschen Vogelpark Walsrode im Park Tsimbazaza
tätig ist und schon mehrere Zoo-Patenschaften in die
Wege geleitet hat, präsentierte in Wort und Bild das
bisher Geleistete. Auf Grund der grossen Zuchterfolge
und der Erfahrung in der Haltung der Fossa wurde
Duisburg 1994 die Führung und Koordinierung des
internationalen Zuchtprogrammes für diese bedrohte
Tierart übertragen. Ziel ist der Aufbau einer
genetisch intakten Fossapopulation in Menschenobhut.
Wegen des geringen Bestandes an Gründertieren ist der
gesamte Bestand - lediglich rund 85 Tiere in 26
Zoologischen Gärten der Welt - von Inzucht bedroht. Im
Rahmen der internationalen Bemühungen um den Erhalt
der Schleichkatze wurde in Duisburg ein eigener
Fossa-Fonds gegründet, um Naurschutz- und
Forschungsprogramme in Madagaskar zu finanzieren. Seit
1999 sind Duisburg und der seit 1925 bestehende Parc
Botanique et Zoologique de Tananarive, in dem 246
Tiere von 65 Arten gehalten werden, offiziell
partnerschaftlich verbunden. Bereits 1997/98 wurde
hier eine Fossaanlage gebaut, die für die
Unterbringung eines Pärchens konzipiert ist. Im
Oktober 1998 reisten Mike Kirschner, Roland Edler und
Jan Neitzel aus Duisburg gen Süden, um die mit 126
Quadratmetern Fläche und einer Höhe von fünf Metern
grösste Fossa-Voliere der Welt fertigzustellen. Zehn
Jahre zuvor waren übrigens letztmals die heimischen
Raubkatzen in Tsimbazaza gezeigt worden.
Die beiden geräumigen Kaefige sind naturnah gestaltet
und mit Kletterbäumen eingerichtet. Sie bieten viel
Auslauf und Abwechslung für die gewandten,
pumaähnlichen Tiere. Erster Bewohner wurde ein im Wald
von Anjiamangirana gefangenes Männchen mit dem Namen
"Nônô". Im Dezember 2001 traf dann im Rahmen des
internationalen Austauschprogrammes das Fossa-Männchen
"Faro" aus dem Frankfurter Zoo in seiner Urheimat ein.
Im Gegenzug wird "Nônô" nach Duisburg entsendet, wo er
als neuer Zuchtkater sehnsüchtig erwartet wird. Direkt
im Anschluss soll ein Weibchen aus der Zucht des
britischen Zoos Banham Richtung Madagaskar fliegen,
als Partnerin von "Faro".
Angesichts der fortschreitenden Umweltzerstörung in
Madagaskar wird befürchtet, dass die Fossas bereits
heute unmittelbar vor dem Aussterben stehen und nur in
Naturreservaten und durch die Erhaltungszucht in
Gefangenschaft noch eine Überlebenschance haben.
Der Zoologische Garten Duisburg mit 21OO Tieren von
276 Arten wurde durch die Haltung und die Zucht
besonders seltener und sonst kaum in Zoos zu sehender
Tierarten bekannt. So werden hier vier verschiedene
Wal- und Delphin- sowie eine grosse Anzahl Affenarten
gehalten. Publikumsmagnete sind ferner
Pinselohrschweine, Riesenotter und die "Australier"
wie Koalas, Baumkänguruhs oder Wombats. Der Park
zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Lage aus: Er
wird durch eine Autobahn und mehrere Bahngleise in
zwei Teile getrennt. Eine grosse Brücke stellt die
Verbindung her. Über eine Million Besucher werden
jährlich in dieser Einrichtung gezählt.
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