"Märchenhaft", "Gitarristin von Weltformat",
"Hervorragend", "Guitariste explosive" oder
"Musikalische Energiebündel" - die madagassische
Presse überschlug sich förmlich und sparte nicht mit
Lobeshymnen nach den insgesamt drei Auftritten der
Susan Weinert Band aus dem saarländischen Neunkirchen
bei der 14. Neuauflage des internationalen Festivals
"Madajazzcar" in den Städten Antananarivo und
Antsirabe.
Nachdem im vergangenen Jahr die Heppenheimer "Jazz
Pistols" und die "Kölner Saxophon Mafia" ihre Zuhörer
auf der vor der Südostküste Afrikas gelegenen
viertgrössten Insel der Welt begeisterten, erwiesen
sich diesmal Susan Weinert (Gitarre) und ihre
Rhythmusgruppe, bestehend aus Ehemann Martin Weinert
am Bass und dem Kölner Hardy Fischötter an den Drums,
ebenfalls als hervorragende Jazz-Botschafter. Auch
Gruppen aus Madagaskar, Mauritius, Frankreich,
Brasilien, der Schweiz und den USA waren
ausgezeichnete Werbeträger für den Jazz in seinen
vielfältigen Variationen.
Seit gut 15 Jahren harmoniert das deutsche Trio
prächtig als kompakte Einheit, dessen Mitglieder sich
blind aufeinander verlassen können. Nachdem es 2002
mit "Goethe" eine Tournee durch Westafrika mit
Konzerten in Benin, Togo, Ghana, Nigeria, Senegal,
Burkina Faso und Kamerun erfolgreich absolvierte, kam
es jetzt zur zweiten intensiven Begegnung mit dem
afrikanischen Kontinent, wobei Madagaskar jedoch
gleichsam Afrika und Asien en miniature ist. Der
Leiter des örtlichen Goethe-Zentrums, Eckehard
Olszowski, betreute die drei Musiker und der erfahrene
Buschpilot verhalf ihnen sogar zu einem Inlandsflug in
seiner Maschine von der Hauptstadt Antananarivo in die
170 Kilometer entfernte Edelsteinmetropole Antsirabe,
wo die Alliance Française Gastgeber des zweiten
Konzertes war.
Martin Weinert brachte die Stimmung der Band nach dem
Open-Air-Auftritt im Park von Ambohijatovo in der
Hauptstadt auf den Punkt: "Ein offenes Land mit
positiver Atmosphäre." Es sei schön, über 7000
Kilometer von zu Hause entfernt, Menschen zu treffen,
die einen anderen Zugang zur Musik haben. Die
Eindrücke seien vielfältig. Schade sei nur, dass bei
Auslandsaufenthalten meist die Zeit fehle, alles zu
verarbeiten. "Viele Eindrücke kommen rein. Besonders
Susan fährt unterwegs ihre Antennen aus und braucht
nach der Rückkehr Ruhe für den kreativen Prozess. Sie
muss Zeit finden, damit die Einflüsse auch wieder
rauskommen und musikalisch umgesetzt werden können."
Zur Zeit seien zwei neue CDs in Arbeit, die im
Frühjahr 2004 der Öffentlichkeit präsentiert werden
sollen. Für die erste Scheibe der Band wird noch ein
Gastmusiker dazugeholt, die zweite enthält ebenfalls
ausschliesslich Eigenkompositionen von Susan Weinert
für klassische Gitarre und Kontrabass. Zunächst stehen
nach der Rückkehr aus Madagaskar aber etliche Konzerte
in Deutschland und Polen an. Für 2004 liegt von
"Goethe" bereits eine Einladung für eine Asientournee
vor. Martin Weinert: "Dieser Teil der Welt ist für uns
noch Neuland. Mit Goethe zu reisen ist toll und
hilfreich. Alleine könnten wir solche Touren niemals
organisieren."
"Die Band ist unser Leben. An jedem Ton, an jedem
Konzert hängt unser Herz," bekennt Susan Weinert. Und
Ehemann Martin merkt nicht minder euphorisch an: "Es
ist Wahnsinn, in die Welt zu fliegen und den Menschen
unsere Musik näherzubringen." Die Website der Band sei
sehr hilfreich für neue Kontakte. In Australien habe
ein Musikwissenschaftler die Weinert-Band in seine
Doktorarbeit eingebaut, wobei ihn vor allem das Thema
"Frauen und Jazz" fasziniert habe. In Chile haben die
Eheleute Weinert kürlich bei einem Festival für
akustische Gitarre viele Musiker getroffen, die in
Hamburg oder auch Hannover studiert haben und sich
riesig freuten, das Duo jetzt live in ihrer Heimat
erleben zu können.
"Jetzt müssen uns unsere Seelen erst wieder
einholen," sagte Martin Weinert vor dem Abflug und dem
damit verbundenen erneuten grossen geografischen
Sprung. Das Thema des Bandalbums "Running out of time"
spiegele die derzeitige Situation der
Immer-auf-Tour-Gruppe wider, der die Zeit davonlaufe.
Auf Reisen zu fernen Kulturen bereiten sich die
saarländischen Musiker auch sprachlich vor. Martin
führte in Madagaskar in Französisch durchs Programm
und hatte auch schnell einige Brocken in der zweiten
Landessprache Malagasy im Repertoire. Darüber hinaus
wird sehr auf die eigene Gesundheit geachtet. "Wir
haben Koch- und Backkurse besucht, backen unser
eigenes Brot, essen Vollwertkost, die auch im
Reisegepäck mitgenommen wird, und treiben morgens
Sport, da die Instrumente den Rücken doch stark
belasten. Wir wollen so gesund wie möglich leben."
Bei Auftritten in Europa ist die Band mit dem eigenen
"Sprinter" unterwegs, wobei der Zeitdruck oftmals
enorm sei. So düste das Trio direkt nach einem Konzert
in Neustadt an der Weinstrasse in 18 Stunden zu einem
Radio-Liveauftritt nach Polen. Martin Weinert: "Wir
kamen auf die Minute pünktlich im Studio an, haben
sofort ausgepackt und eine Stunde lang gespielt."
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