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Von Leutkirch über Südafrika nach Madagaskar

Pamela Klöpf absolviert derzeit ein studienbedingtes
Praktikum in einem Projekt für Strassenkinder



Von Klaus Heimer, Antananarivo

Ihr grosses soziales Engagent führte die 21-jährige
Studentin Pamela Klöpf aus dem schwäbischen Leutkirch
bereits für ein Jahr nach Südafrika und derzeit ist
sie studienbedingt in einem Strassenkinderprojekt des
Berliner Vereins "Zaza Faly" (bedeutet "Zufriedenes
Kind") in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo
tätig. "Die Arbeit macht viel Freude, zumal man auch
Fortschritte bei den rund 80 Mädchen und Jungen
erkennen kann." Ein kleines Weihnachtskonzert will die
musikalische Praktikantin, die seit zehn Jahren
Klavier spielt und gerne singt, in den nächsten Wochen
mit ihren Schützlingen auf die Beine stellen. Keine
leichte Aufgabe, denn die Kinder, die auf den Strassen
der Hauptstadt in den täglichen harten Überlebenskampf
eingebunden sind, sind es nicht gewohnt, sich über
einen längeren Zeitraum zu konzentrieren und still zu
sitzen. "Aber je mehr Initiative und Begeisterung ich
selbst mitbringe, um so mehr lassen sich auch die
Kinder begeistern."

Geboren wurde die engagierte junge Frau in Memmingen,
die Grundschulzeit absolvierte sie in Konstanz, bevor
der Umzug der Familie nach Leutkirch erfolgte, wo
Pamela am Hans Mulscher-Gymnasium das Abitur bestanden
hat. In der TSG Leutkirch spielte sie von der D-Jugend
bis zur Damenmannschaft Handball. In ihrer Freizeit
arbeitete Pamela Klöpf in einem Behindertenheim,
gestaltete dort Freizeitprogramme und half den
Bewohnern, das alltägliche Leben zu meistern.
Innerhalb der Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) ihrer
Heimatpfarrei St. Martin betreute sie mehrere Jahre
verschiedene Kindergruppen, leitete wöchentliche
Gruppenstunden und war auch bei den Freizeiten im
Sommer-Zeltlager mit von der Partie.

Nach dem Abitur wurde das Internet durchforstet und
dabei stiess Pamela auf die Camphill Community
Hermanus in Südafrika, in der Nähe von Kapstadt. Dort
leben und arbeiten erwachsene Behinderte auf der Farm
und in einer angegliederten Schule werden geistig
behinderte Kinder unterrichtet. Von ihrer Erspanissen
kaufte sich die Leutkircherin ein Jahresticket, packte
ihren Koffer und arbeitete am Horn von Afrika ein Jahr
in der Schule mit, lebte dort in einer Familie mit
acht behinderten Kindern und weiteren fünf
Mitarbeitern, wofür es lediglich ein kleines
Taschengeld gab. Drei Tage vor dem Studienbeginn in
Freiburg traf Pamela wieder in der Heimat ein. "Das
war recht knapp." Das dritte von insgesamt acht
Semestern im Fachbereich "Soziale Arbeit", den es erst
seit 2002 gibt und die Bereiche Sozialpädagogik und
Sozialarbeit vereint, wird derzeit auf der fernen
Gewürzinsel Madagaskar geleistet, wo die Schwäbin seit
Ende August im Stadtteil Tsiadana nahe der Universität
in die tägliche Arbeit der nichtstaatlichen
Wohltätigkeitseinrichtung "Manda" (= schützende Burg)
aktiv eingebunden ist.

Schnell hat sie ihren Platz in dem 20-köpfigen Team
gefunden, hilft in der Vorschule, in der Grundlagen im
Rechnen, Schreiben und Lesen vermittelt werden,
gestaltet Freizeitaktivitäten, wirkt in einer
Theater-Arbeitsgemeinschaft für Jugendliche mit,
bastelt mit Mädchen, die in einer Ausbildungsstätte
Nähen, Weben und Schneidern erlernen oder spielt
Basketball mit den Jugendlichen der angegliederten
Schreinerei/Tischlerei.
"Die Mädchen sind relativ leicht zu begeistern, bei
den Jungs ist das schon etwas schwerer. Ich freue
mich, dass ich über den Sport auch sie motivieren
kann, neben der Arbeit etwas regelmässig zu tun."

"Die Tage sind gut ausgefüllt," bekennt Pamela, der
das Schul-Französisch nur wenig weiterhilft, da die
Kinder ausschliesslich Madagassisch beherrschen. Sie
eignet sich eifrig von den Kindern Brocken der zweiten
Landessprache Malagasy an. "Ich versuche, sie zu
lernen, auch wenn es schwer ist. Für europäische Ohren
klingt sie eigenartig." An Wochenenden unternimmt
Pamela Ausflüge mit Praktikanten der
Friedrich-Ebert-Stiftung oder anderen jungen Leuten,
die im Land tätig sind, besucht Musikfestivals, so
gerade "Madajazzcar" mit der saarländischen Susan
Weinert Band oder informiert sich über Projekte der
Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit.

Mein Berufsziel "liegt im sozialen Bereich", weiss die
21-Jährige. Diese Entscheidung sei durch die
bisherigen Erfahrungen gefestigt worden. "Mit den
Strassenkindern muss man sehr viel Geduld haben, sich
spezielle Sachen überlegen, damit sie die Geduld nicht
verlieren und am Ball bleiben. Und genau das ist das
Schöne an der Arbeit, dass man kreativ sein muss. Dann
sieht man auch die Erfolge und den Kindern macht es
ebenfalls Spass." So wurde die sympathische
Praktikantin von ihren Schützlingen schnell ins Herz
geschlossen. "Ich habe schon jetzt Herzklopfen vor dem
Abschied, denn die Kinder muss man einfach gern
haben."

Mit ihr leistet der Berliner Nepomuk Wahl zur Zeit das
"andere Jahr im Ausland" in dieser Einrichtung, die
von Berlin aus weiter finanziell unterstützt wird,
jedoch unter madagassischer Leitung steht.



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