"Isalo-Ranch" - das klingt eigentlich nach Amerika und
Wildem Westen. Doch die herrliche, dem Umfeld
angepasste Bungalowanlage mit diesem Namen der in
Menden geborenen Martina Breitling liegt im Herzen der
Tropeninsel Madagaskar, direkt im Isalo-Park mit
seinen bizarren Felsformationen, der zu Trekkingtouren
einlädt und immer mehr Besucher aus aller Welt
anzieht.
Was bewegt eine junge Frau dazu, einen sicheren Job in
Deutschland aufzugeben und das Wagnis einzugehen, sich
in einem Land, das gleichsam Afrika und Asien en
miniature ist, niederzulassen. "Das war auch eine
Herzenssache," bekennt Martina Breitling (Jahrgang
1961), die mit dem Madagassen Jeannot Andriamahazosoa
verheiratet ist und mit diesem die beiden Kinder Lisa
(5) und Jonas (7) hat. Doch der Reihe nach...
Die 42-Jährige absolvierte die Schulzeit bis zum
Abitur in Fröndenberg im Landkreis Unna, es folgte in
der Kreisstadt eine zweienhalbjährige
Siebdruckerausbildung, im Anschluss studierte sie an
der Berliner Hochschule der Künste Grafik, Design und
visuelle Kommunikaton und war dann bei verschiedenen
namhaften Zeitschriften in Berlin und - zuletzt -
München als Grafikern beschäftigt. 1991 wurde erstmals
im Urlaub die vor der Südostküste Afrikas gelegene
viertgrösste Insel der Welt besucht. "Ich habe mich
sofort in das Land verliebt." Nicht unerwähnt bleiben
soll, dass Martina Breitling bei dieser Tour auch
ihren heutigen Ehemann kennengelernt hat, der damals
als Tauchlehrer in einer Bungalowanlage mit dem Namen
"Mora mora" (bedeutet in Malagasy "Langsam, langsam")
im Südwesten von Madagaskar gearbeitet hat. Noch zwei
Mal war Martina Breitling dann auf ihrer persönlichen
Trauminsel, "wobei die Beziehung zu meinem Mann
gefestigt wurde." Danach stand der Entschluss
felsenfest, auszuwandern. Gemeinsam wurde 1994 ein 50
Hektar grosses Grundstück nahe der Stadt Ranohira im
Isalo-Massiv erworben, wo man zuvor einige Tage
verbracht hatte. "Der Ort war eigentlich Zufall, an
den Stränden an der Küste waren viele Plätze bereits
belegt." Bereut hat sie den Wechsel ins Landesinnere
bisher nicht. "Die Gegend hat sich touristisch sehr
gut entwickelt, der Park ist attraktiv geworden. Es
war eine gute Wahl."
Heute stehen hier 18 Bungalows in Lehmbauweise für
rund 40 Gäste harmonisch eingebettet in die
Savannenlandschaft. "Mit acht Rundbungalows, die
inzwischen allesamt grundlegend erneuert wurden, habe
ich angefangen. Alles wurde aus Ersparnissen
finanziert, danach wurden die Einnahmen immer weiter
investiert." Die Resonanz ist nach dem katastrophalen
Jahr 2002, in dem die Folgen der Staatspräsidentenwahl
fast die gesamte Insel lahm legte, wieder steigend.
"Ich bin optimistisch. In der Saison unterscheide ich
nur noch zwischen Wach- und Schlafzeiten," fügt die
couragierte Mendenerin hinzu, die immerhin 25
einheimische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
beschäftigt und beaufsichtigen muss. Ihre sanfte Art
trägt dazu bei, dass trotz oft unterschiedlicher
Auffassungen von Arbeit das Betriebsklima stimmt.
Die "Isalo-Ranch" ist inzwischen zum touristischen
Selbstläufer geworden. Jährlich werden Reiseagenturen
im In- und Ausland mit neuen Preislisten beliefert,
ansonsten sei aber Mund- zu Mund-Propaganda die beste
Werbung. Auch in den einschlägigen Reiseführern fehlt
die gastfreundliche "Ranch" nicht. Der madagassische
Baustil der Bungalows kommt gut an, auf Komfort
braucht niemand zu verzichten. Solarenergie sorgt für
Strom und warmes Wasser. Die zweite Generation
Bungalows wurde jetzt fertig gestellt mit neuen
Dächern, Fenstern, Türen und Betten. "Ich habe diesen
Beruf nicht gesucht, war eigentlich in Deutschland
ganz zufrieden mit meiner Arbeit. Aber vielleicht
haben mir damals Perspektiven gefehlt und ich wollte
einfach was anderes machen," sinniert die
Geschäftsfrau Martina Breitling, die regelmässig die
alte Heimat besucht, das nächste Mal Weihnachten 2003
mit den Kindern. Die Eltern leben in Fröndenberg, die
Schwester wohnt in Unna, der Bruder in Düsseldorf.
Familie, etliche Bekannte und Freunde konnte sie schon
auf ihrer Ranch, gut 7000 Kilometer vom früheren
Zuhause entfernt, begrüssen. "Heute hätte ich die
Anlage sicher Lodge genannt," wird noch angemerkt.
"Der Aufbau hat viel Kraft gekostet, wir hatten eine
ständige Baustelle und alles selbst gemacht. Mein Mann
ist weiter für den handwerklichen Bereich zuständig."
Einsam ist die Familie, 700 Kilometer südlich der
Hauptstadt Antananarivo, wo sich Fuchs und Hase, wenn
es sie hier gäbe, sicher "Gute Nacht" sagen würden,
nicht. "Man trifft immer wieder interessante Menschen
aus aller Welt, ferner waren schon viele Mitglieder
der rund 250-köpfigen deutschen Kolonie bei mir."
Meist machen ihre Touristen vor oder nach der
Trekkingtour im Isalo noch Strandurlaub im
südwestlichen Tulear. Naurreisen seien im Aufwind,
insbesondere Holländer ziehe es in diesem Jahr nach
Madagaskar.
Ein eigener Gemüsegarten trägt zur Selbstversorgung
bei, Fleisch gibt es im nahen Ort, alles andere muss
in der 300 Kilometer entfernten Stadt Fianarantsoa
eingekauft werden. Bananen haben eine weite Reise von
der Ostküste hinter sich, bevor sie im gemütlichen
Restaurant von Martina Breitling auf den Tisch kommen.
Schwarz-Weiss-Aufnahmen des bekanntesten
madagassischen Fotografen "Pierrot Men", der Bruder
ihres Ehemannes, sind an den Wänden Blickfang. Die
Gäste erhalten bei Martina Breitling auf engem Raum
auch noch tiefen Einblick in die reichhaltige Flora
der Insel. Alles wird liebevoll von mehreren Gärtnern
gepflegt. Chamäleons gehen vor den Bungalows in Bäumen
auf Insektenfang.
Wer mit der "Isalo-Ranch", die weder telefonisch noch
per Mail zu erreichen ist, Kontakt aufnehmen möchte,
kann dies auf dem Postwege gerne tun: B.P. 3, 313
Ranohira, Madagascar.
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