"Es ist gut, dass es Euch in Madagaskar gibt."
Dieses
dankbare Lob hört der 33-jährige Buschpilot Jakob
Adolf aus Herten bei Recklinghausen gleich mehrmals
pro Woche auf der vor der Südostküste Afrikas
gelegenen viertgrössten Insel der Welt.
Der in Kasachstan geborene Deutsche arbeitet seit 1991
für die in 30 Ländern segensreich tätige
Missionsfluggesellschaft "Mission Aviation Fellowship"
(MAF), zunächst in Mosambik, Kenia und Uganda, vor
sechs Jahren ist er dann mit Ehefrau Martina beruflich
in der Heimat von Pfeffer, Vanille und der putzigen
Lemuren gelandet. In direkter Nachbarschaft von Air
Madagascar, der nationalen Fluglinie, und Helimission,
einer Schweizer Hilfsorganisation, ist im Stadtteil
Ivato etwas ausserhalb von Antananarivo der Hangar von
"MAF". Zwei 10-sitzige Maschinen, je eine zwei- und
einmotorige, stehen der Gesellschaft für Hilfsflüge
aller Art mit Transport von Impfstoffen, Medikamenten,
Geräten, medizinischem Personal, Missionaren etc. zur
Verfügung. "Wir brauchen eigentlich nur ein 700 Meter
langes Feld, um voll beladen starten und landen zu
können", erzählt der erfahrene Pilot schmunzelnd, der
bereits über 5000 Flugstunden "auf dem Buckel" hat.
Rund 85 Pisten im ganzen Land werden derzeit
angeflogen, "die Hälfte davon ausschliesslich von
uns."
Den Weg vom Geburtsort Karatau in Kasachstan über
Frankfurt, Unna und Herten in luftige Höhen war für
Jakob Adolf "irgendwie vorgegeben". 1988 siedelte die
Familie in die Mainmetropole über, 1990 legte der
junge Mann in Unna, wo die Eltern heute noch leben,
das Abitur ab. Im letzten Schuljahr beschäftigte sich
der "überzeugte Christ" intensiv damit, "was Gott
mit
mir vorhaben könnte". "Ich habe aufgelistet, was ich
kann und was nicht und habe versucht, meine Begabungen
in einen Beruf einzupassen. Das gab ein wildes Bild,
aber zunächst noch kein konkretes Ergebnis. Ich wusste
jedoch, dass ich irgendetwas mit Luftfahrt machen
wollte - Pilot, Mechaniker oder Lotse." Sein Vater,
ein inzwischen pensionierter Pastor, riet ihm, den
Privatpilotenschein in Angriff zu nehmen, um schon mal
einen Fuss in der Türe zu haben. Gesagt, getan! Neben
der Schule ging Jakob Adolf beim Flugsportverein Hamm
in die Ausbildung und konnte hier schon bald die
begehrte Lizenz in Empfang nehmen.
Nach dem Abi besuchte Adolf, der nach wie vor Mitglied
der Hertener Hoffnungskirche ist und in seiner
derzeitigen Heimat regelmässig in mehreren
Gotteshäusern predigt, ein Jahr lang die
überkonfessionelle theologische Fachhochschule in
Königsfeld im Schwarzwald, in der Basistheologie für
künftige Gemeindemitarbeiter auf dem Lehrplan steht.
"24 Stunden nach der Entgegennahme des Diploms war ich
bereits in Tennessee/USA, um den Berufspilotenschein
zu machen." 1991 kam Adolf dann als damals jüngster
Pilot zur Missonsfluggesellschaft MAF. "Ich bin
erstaunt, dass es für meinen Topf beruflich gesehen
genau den passenden Deckel gegeben hat." Trotz des
harten Jobs, bei dem der Acht-Stunden-Tag oft nicht
ausreicht, steht ihm die Begeisterung über den Dienst
am Nächsten im Gesicht geschrieben. "Kein Tag ist wie
der andere. Wir fliegen jeden, der dem Land hilft."
Immer wieder gebe es Ereignisse, die betroffen machen.
So habe ihn kürzlich bei einer Landung ein Pastor
angesprochen, ob er beim Rückflug ein verletztes Kind
zur Behandlung mit in die Hauptstadt nehmen könnte.
"Bei der Befragung durch eine Missonsschwester stellte
sich heraus, dass der Junge bereits vor zwei Monaten
einen schweren Unfall hatte. Die Eltern konnten eine
Arztkonsultation nicht bezahlen und erst, als sie per
Zufall auf die Schwester trafen und diese zusagte, das
alles bezahlt werde, konnte dem leidenden Kind
geholfen werden. Solche Fälle gibt es landesweit
bedauerlicherweise sicher in grosser Zahl. Es ist ein
schönes Gefühl, anderen Gutes tun zu können. Fast jede
Woche helfen wir jemanden aus der Patsche."
Regelmässig werden sieben Busch-Krankenhäuser
angeflogen. Die Hälfte der luftigen Einsätze sind für
Kirchen (30 Prozent evangelisch, 15 Prozent
katholisch)und Missionsgesellschaften, die übrigen im
Auftrag von nichtstaatlichen
Wohltätigkeitsorganisationen, Gesundheitsministerium
(Polio-Kampagne) oder Naturschutzgesellschaften. Diese
Flüge werden, so Adolf, von Spendern aus Europa
subventioniert, so dass die Auftraggeber vor Ort
lediglich die Kosten erstatten muessen, die
erforderlich seien, "das Flugzeug zu bewegen." Die
Personalkosten werden nicht umgelegt. "Wir fliegen
nicht kommerziell, aber das ist nicht dramatisch. Mein
Gehalt wird durch Spenden aufgebracht." So gebe es
gleich mehrere deutsche Gemeinden und viele
Einzelpersonen, die der Deutschen Missionsgesellschaft
regelmässig Geld überweisen. Jakob Adolf: "Ich
schreibe in gewissen Abständen Rundbriefe an die
Leute, muss also sehen, dass neben der täglichen
Arbeit auch Geld für das Gehalt sichergestellt ist."
Diese Art der Bezahlung sei aber für ihn völlig okay
und für die Spender transparent. "Sie alle kennen
genau meine Arbeit."
Um die Einsätze effektiv zu gestalten, wurden auf der
Insel 30 Funkgeräte auf Missionsstationen verteilt.
Darüber hinaus werden drei Satellitentelefone gekauft,
"damit wir bei Landungen nicht mehr isoliert im Busch
sitzen, sondern für eventuelle Notfälle erreichbar
sind." Um weitere Orte anfliegen zu koennen, sollen
zudem rund 100 bestehende Landebahnen auf ihren
Zustand untersucht und, sofern erforderlich und
wichtig für das Umland, instandgesetzt werden. Diese
können ebenerdig meist nur mit geländegängigen Quads
vom nächsten intakten Flugplatz aus angefahren werden.
Die Hertener Hoffnungskiche unterstützt die Arbeit der
Missionsgesellschaft in Madagaskar auch materiell. In
diesem Jahr wurde in Zusammenarbeit mit der Emscher
Lippe Energie GmbH in Gelsenkirchen Schalke ein
Container mit Maschinen, Werkzeug, Kleidung etc. für
die eigene Flugzeug- und Autowerkstatt auf die lange
Reise geschickt. Jakob Adolf: "Was man zu Hause zum
Sperrmüll gibt, erfüllt hier noch wertvolle Dienste.
Viele Dinge werden hier wieder flott gemacht. Ich habe
im Frühjahr etliche Gegenstände aus deutschem Müll
gefischt." Der Container ist Eigentum von MAF und wird
in den Bau eines Hauses integriert. Die
Transportkosten wurden unter anderem durch ein
Benefizessen im Juni 2003 in Herten gedeckt.
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